Näheres zu Denkanstoß 6: Humanistischer und toleranter Atheismus

Die institutionelle Offenbarungsreligion (Behauptung von Menschen mit angeblich göttlicher Antenne oder von göttlicher Herkunft), in Europa und angrenzende Länder primär Christentum und Islam, war Jahrtausende lang ein prägender Gesellschaftsbestandteil, sicherlich im Wesentlichen nicht zum Vorteil der Menschen und verantwortlich für unzählige Tote, unendliches Leid und unfassbare Ungerechtigkeiten. Mit schönen großen Kathedralen/Moscheen kann man von der historisch beherrschenden Negativseite der Religionen prima ablenken. Das wird immer noch gerne praktiziert. Vereinzelte Habenpunke institutioneller Religionen sollen nicht geleugnet werden, können aber ohne religiöse Basis ersetzt werden oder Ihr Preis, Beibehaltung eines irrationalen und gefährlichen Massenmanipulationsinstrumentes, ist einfach zu hoch.

Heute sind die Menschen in den westlichen Ländern aufgeklärt. Nicht, weil die westlichen Staaten relevante schulische Religionsaufklärung betrieben hätten, sondern, weil Religion sich durch ihre Widersprüchlichkeit, Faktenfalschheit, moralische Verwerflichkeit der angeblichen Götter und ihrer weltlichen Stellvertreter und dem offensichtlichem Märchencharakter angeblicher heiliger Vorgänge und nicht zuletzt ihrer Unzeitgemäßheit selbst weitestgehend unglaubwürdig gemacht hat. Die Zahlen zu regelmäßigen Kirchgängern in Deutschland  schwanken zwischen 3,5% und 15%. Angesichts praktisch leerer Kirchen dürften selbst 3,5% noch absurd hoch angesiedelt sein. Die gesellschaftliche Bedeutung der institutionellen Offenbarungsreligion ist in sehr vielen westlichen Ländern nahe an der Bedeutungslosigkeit.

Dazu eigene Zahlen der evangelischen Kirche aus Auswertungsband der 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU).

"Wie hältst du's mit der Kirche?", so der Titel des 695 Seiten starken Wälzers, herausgegeben vom Sozialwissenschaftlichen Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI-EKD) und der Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral (KAMP). Grundlage ist eine Befragung von 5.228 Personen, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa zwischen Oktober und Dezember 2022 durchführte. Nachdem erste Ergebnisse bereits Ende 2023 publiziert wurden, liefert der neue Band eine ausführliche Analyse. 

56% Säkulare, die mit Religion kaum noch was am Hut haben

13% hoch religiöse

Die meisten der übrigen Kirchenmitglieder sind ohne Glauben und werden als „belonging without believing“ bezeichnet. 

Zitiert aus und Allerherzlichen Dank an den Humanistischen Pressdienst.

Die 13% hoch Religiösen wären auch mit Vorsicht zu genießen, denn dann wären die Kirchen viel voller, was sie nicht sind.

Liberale sind der Aufklärung besonders verpflichtet. Der politische Liberalismus traut sich aber nicht, sich offen gegen Religion zu stellen. Es ist an der Zeit, dies zu ändern. Aus rein politischer Sicht gibt es mit Sicherheit deutlich mehr zu gewinnen als zu verlieren. 

Die politische und mediale Schonung völlig irrationalen Glaubens muss ein Ende haben. Wir sind längst in einem aufgeklärten Zeitalter angelangt.

Auf der Straße wird man ausgelacht, wenn man ein unsichtbares Wesen in einem ominösen Himmel propagiert, dass minütlich darüber wacht und protokolliert, was jeder Mensch auf diesem Planeten denkt und macht (ausgenommen Kindesmissbrauch, da schaut es weg bzw. erlaubt es ausdrücklich (Islam)), um dann die Seelen in den Himmel oder für ewig in die Qualen der Hölle zu schicken, weil es ja ein allerbarmender Gott ist. Natürlich hat es sich in tausenden Jahren nie wirklich blicken lassen und es gibt tausende seiner Art, aber für jede Religion sind nur die eigenen Götter die wahren Götter, nicht zu vergessen, töten diese allerbarmenden Götter (angeblich) ganze Völker, weil sie die Unverfrorenheit besessen haben, seinen Propheten/Missionaren nicht geglaubt zu haben. Man bekommt für derartige lächerliche Äußerungen hier in Deutschland auf Straße den Finger gezeigt (beide Varianten), aber deutsche Politik und Medien legen beschützend und wohlwollend ihre Hände über die Religionen, solange nur keine Kinder missbraucht werden oder die betreffende Religion das nur im Ausland praktiziert (religiös legitimierte Kinderehen u.a. Iran, Irak, Afghanistan). 

Der einfache Bürger schlägt die Hände über den Kopf zusammen, aber Politik und Medien hüllen sich in Schweigen und feiern sogar den Tag der offenen Türen der Moscheen.

Der gesunde Menschenverstand hat die Menschen zu Mindestens in diesem Land und den meisten andern westlichen Ländern aber längst aufgeklärt. Es wird Zeit, dass die Politik und die Medien folgen. Die Liberalen werden bei einer im Vergleich zur jetzigen Prozentzahl zehnmal größeren Zielgruppe offene Türen einrennen, wenn sie endlich mal mit dem urliberalen Anliegen der Aufklärung Ernst machen. Aber nur in Verbindung mit dem ganz klaren Ablegen des Image einer Reichenpartei. Eine gewisse Betriebsblindheit der FDP-Führungsriege über das Ansehen der FDP in der breiten Öffentlichkeit will ich nicht ausschließen.

Vielleicht stellt noch die Gruppe religionsfreier Gläubiger, nicht im engen konfessionellen Sinne, eine relevante Größenordnung dar. Diese Gruppe glaubt nicht an den unsichtbaren Gott der Bibel oder des Koran, der angebet werden will und Gehorsam verlangt und minütlich protokolliert, was wer macht, um über Himmel- und Hölleaufenthalt zu entscheiden und sich nie überprüfbar blicken lässt. Sie lehnt den Mord durch Götter selber an angeblich Ungläubigen als moralisch inakzeptabel ab. Sie glaubt auch nicht an Offenbarungen und in der Folge nicht an angebliche Heilige Bücher, die ganz eindeutig nur von Menschen verfasst wurden. Damit ist aber auch keine Basis für Religion mehr vorhanden, weil es nur wenig zu predigen gibt.

Aber religionsfreie Gläubige glauben vielleicht an einen Himmel oder an eine Seele oder an einen möglichen Gott irgendwo da draußen, der dieses Universum erschaffen oder miterschaffen hat. Sie glauben an einen guten Gott, der sie vielleicht irgendwie belohnen wird, wenn man als guter Mensch gelebt hat oder der einfach dann und wann mal nachschaut, was sie denn machen, diese Menschen und dabei hofft, dass es gute Menschen sind, weil er sie dafür erschaffen hat, um Menschlichkeit in die Welt zu tragen. Es ist eine diffuse Glaubenseinstellung, die Religion strikt als Privatsache betrachtet und nicht im Traum auf die Idee einer Missionierung oder gar von Gewaltanwendung käme, um Andere von eigenen Glauben zu überzeugen. Ebenso werden Demokratie und rechtsstaatliche Prinzipien ohne Wenn und Aber akzeptiert. Sie glauben zum Teil auch nur an die guten sozialen Taten der etablierten Kirchen und zahlen deshalb gerne Kirchensteuer. Oder sie glauben einfach an die Richtigkeit von Barmherzigkeit und Mitgefühl, eben an die Richtigkeit von Humanismus (Für all dies braucht es aber keine Religion).

Auch, wenn tolerante und humanistische Atheisten selbst diese Form von diffusem Glauben ablehnen, so sind die Gemeinsamkeiten sicherlich wesentlich wichtiger als das Trennende, nämlich Ablehnung etablierter oder sogar totalitärer Offenbarungsreligion und die Selbstverpflichtung zu Humanismus in Verbindung mit Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit.

Vor allem dieser Gruppe religionsfreier Gläubiger gilt die Toleranz eines humanistischen und toleranten Atheismus. 

Bisheriger Atheismus lehnt Religion grundsätzlich ab. Ein toleranter Atheismus lehnt nur Extremformen und demokratiefeindliche oder -gefährdende Formen von Religion ab und ein humanistischer Atheismus setzt Religion menschengemachte Werte entgegen. Menschlichkeit braucht keine Religion. Im Großteil dieser Welt ist Religion sogar eher der Feind von Menschlichkeit. Ein toleranter Atheismus erkennt auch die sozialen Leistungen der institutionellen Religionen an, wie auch die guten Absichten freiheitlicher institutioneller Religionen.

Natürlich sollte man einen Humanistisch-Toleranten Atheismus nur aus Überzeugung in sein Liberalismusprofil übernehmen und nicht aus rein wahltaktischen Erwägungen. Denn diese Menschen finden sich aktuell in keiner Partei wieder. Sie haben in der Parteienlandschaft keinen relevanten Ansprechpartner.

Mögliche politische Maßnahmen wären:

- Aufbau einer parteiungebundenen Bewegung des Humanistisch-Toleranten Atheismus, langfristig erstrebenswerter Weise möglichst breit auf kommunaler Ebene, wenn nicht sogar Stadteilebene. Mögliche Projektlisten können sicherlich problemlos erarbeitet werden. Ein eher langfristig anzusehendes Projekt.

- Umwidmung eines Großteils der religiösen Feiertage u.a. eben zu einem Tag der Mitmenschlichkeit, Tag des Nachbarn oder Tag der Familie oder Tag der Armee, die wir alle in Zukunft mehr denn je brauchen werden und die unbedingt unsere stärkere Anerkennung benötigen. Allmächtige Götter aber brauchen keine Anerkennung oder Nachweise bedingungsloser Gefolgschaft, und wenn doch, wären sie eher ein Fall für den Psychiater, und Gebete sind empirisch gesehen Zeitverschwendung. 

Feiertage müssen wirklich wichtigen Angelegenheiten gewidmet werden. Religion gehört bei uns nicht mehr dazu.

- Ersatz der Kirchensteuer durch eine freiwillige Sozialsteuer deren Verwendungszweck (auch Kirchen selber) man selber aus einer Liste auswählen kann. Die betreffenden auswählbaren Institutionen hätten natürlich gewisse Kriterien zu erfüllen, z.B. Offenlegung von Geschäftsführergehältern. Das würde moslemischen Bürgern vielleicht auch ermöglichen, ihre Imame selber zu bezahlen – eine Erlassung und Einhaltung von demokratisch-humanistischen Religionsregeln vorausgesetzt, z.B. Verbot der Forderung, dass nur Moslems untereinander heiraten oder der/die Angeheiratete zum Islam übertreten muss, Verbot des Predigens von Mordvorgängen durch Götter, u.a. Noahs Geschichte, oder von göttlichen Mordaufforderungen, z.B. Abraham, Verbot des Predigens, dass Plünderung und damit Mord durch Menschen erlaubt sei (Koraninhalt), Verbot des Predigens der moralisch-religiösen Überhöhung der eigenen Religion, Pflicht zur religiösen Toleranz, Verzicht auf die Behauptung der Wahrhaftigkeit nur des eigenen Gottes, Verbot des Predigens von Gewaltanwendung auch gegenüber eigenen Gläubigen und klare Distanzierung von entsprechenden realen Ereignissen u.s.w. 

Nur dann sollte Religionen eine Finanzierung über eine freiwillige Sozialsteuer ermöglicht werden. Für christliche Kirchen stellen diese Bedingungen wohl eher eine Selbstverständlichkeit dar.

- Keine politische/rechtliche/gesellschaftliche oder mediale Anerkennung mehr für totalitäre Religionen (Islam), außer, wenn sich Einzelbewegungen von den totalitären Religionsaspekten in Wort und Tat und finanziellen Abhängigkeiten ganz klar distanzieren.

- Aufnahme von Atheismus in Schulmaterialien und mediale Religionsaufklärung.

Ein Wort zum fürchterlichen Drama in Magdeburg:

Zunächst natürlich unser aller Mitgefühl für die Opfer.

Mindestens so schlimm wie der Terrorakt selber ist die Instrumentalisierung durch Rechtsextreme für unerträglichen Ausländerhass. Dieselben, die dem Terroristen vermutlich hunderte von Likes für seinen Islamhass gegeben haben.

Hier auch nur eine Anmerkung zu eher tief liegenden Ursachen, keine Totalanalyse. Dieses Argument werden sie in keiner deutschen Zeitung lesen.

Wer eine totalitäre Religion massiv beschönigt, wie es in diesem Land leider massiv der Fall ist, der drängt Islamkritiker weitgehend ins Abseits. Einfache und zugleich radikalisierte Gemüter können so in die Gewalt getrieben werden – in der Regel in Verbindung mit weiteren erheblichen persönlichen Problemen. Sie nehmen eine Religion (in undifferenzierter und übertriebener Weise) als aktuelle massive Gefährdung und als hochwiderlich wahr, weil diese Religion in ihrer konservativen und vorherrschenden Form für eine solche Ablehnungsmeinung nun einmal massenhaft Argumente liefert. Die (religiöse) Realität, dass z.B. nur ein relativ geringer Teil der Moslems überhaupt eine Moschee besucht, wird ignoriert. Gleichzeitig werden ihre Argumente/ihre subjektive Weltsicht von der medialen Wirklichkeit nicht nur ignoriert, sondern ihre Äußerung oft auch zugleich verboten, eben durch häufige Zensur in den sozialen Medien. Sie sehen damit ihre subjektiv gebastelte Welt als gewaltsam unterdrückt an und leiten daraus die Legitimation zu Gewalt ab.

Wer in der Politik und den Medien reale und offensichtliche Umstände, z.B. den totalitären Charakter des konservativen Islam oder die nicht mehr zu versteckenden Migrationsprobleme einfach rundweg leugnet, der bietet Menschen, die auf einer psychisch bedingten Suche nach Hasssubjekten oder Verschwörungstheorien sind, den perfekten Aufhänger. Man mindert durch eine Beschönigung des Islam zwar eine breitere Ausgrenzung von Moslems, bietet Extremisten dafür aber die Legitimation für Gewalt oder für die Wahl extremistischer Parteien, weil die subjektive Diskrepanzwahrnehmung zwischen eigener subjektiver Welt und der in den Medien dargestellten Welt einfach zu groß wird. Medien, die eben offensichtliche Missstände beschönigen, tragen ihren Teil zu dieser Diskrepanzwahrnehmung bei. Das gilt auch für die Migrationsproblematik und ist einer der Gründe für die Resilienz von AfD-Wählern gegen jede – völlig gerechtfertigte – Diskreditierung der rechtsextrem durchsetzen AfD. 

Der medial bessere Weg wäre die Anerkennung der grundsätzlichen Probleme und zugleich einer Richtigstellung der tatsächlichen von ihnen ausgehenden aktuellen Gefahr, in Sachen Islam aktuell nämlich kaum einer. Wie auch dem Aufzeigen von Maßnahmen zur Vermeidung der Entstehung einer zukünftigen Gefahr. Damit nimmt man Islamophobisten/Rechtsextremisten den Wind aus den Segeln. 

Die Thematisierung dieser Wahrnehmungsdiskrepanz und die individuelle Haltungsstärkung, eine erhebliche Wahrnehmungsdiskrepanz nicht als Legitimation für Gewalt oder – viel relevanter- als Rechtfertigung zur Wahl extremistischer Parteien anzusehen, wäre ein sinnvoller Aspekt politischer Aufklärung/Erziehung.

Ergänzend um eine Wahrnehmungsschärfung von Politik und Medien zur Leugnung  von offensichtlichen Problemen, z.B. Migrationsprobleme, oder deren Verniedlichung, z.B. Totalitätscharakter des vorherrschenden Islam, und der damit verbundenen anderen Probleme. Man kann ein Wahlvolk – in Zeiten sozialer Medien - eben nicht mehr konsequenzenlos durch das Verschweigen von Informationen - das verwendete Hauptmanipulationsinstrument - belügen, z.B. die migrantische Herkunft von Straftätern und die Totalkosten des Rechts auf Asyl. Auch das wäre zu thematisieren. Diese Lügen bzw. dieses Verschweigen werden dann nämlich von Extremisten sehr effektiv für eigene Propagandazwecke genutzt.

 

 

 

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